Veröffentlicht am 11. Mai 2023 in Technik.

Wenn die Maschine von Haus aus dazulernt

KI ist bereits Bestandteil der Heiz- und Gebäudetechnik

Mitte April gab es in der Talkshow von Maybrit Illner im ZDF eine Diskussions-Runde zum Thema Künstliche Intelligenz (KI). Anlass war ChatGPT. ChatGPT ist ein sogenannter Chatbot des US-amerikanischen Unternehmens OpenAI, der seit Ende vergangenen Jahres auf dem Markt und frei im Internet verfügbar ist. Man muss sich lediglich auf der entsprechenden Seite von OpenAI mit der eigenen E-Mail-Adresse anmelden, und dann kann es losgehen: Mit ChatGPT kann der Nutzer wie mit einem Menschen kommunizieren, er kann der KI bspw. Fragen stellen und erhält Antworten, die erstaunlich denen eines Menschen ähneln, mit dem man ein Gespräch führen würde. Bei ChatGPT handelt es sich um eine KI, die maschinell lernt. Beim maschinellen Lernen handelt es sich um ein Teilgebiet der Künstlichen Intelligenz: Die Maschinen lernen aus Daten und Informationen dazu.

Nächster Quantensprung

„KI wird uns mehr verändern als das Internet“, war ein zentrales Resümee der versammelten Runde bei Illner, darin auch so prominente Wissenschaftler vertreten wie Ranga Yogeshwar, der sicher nicht zu den Furchtsamen gehört und keine Angst vor zukünftig verfügbarer Technik hat. Vielmehr ist es eine nüchtern-sachliche Prognose, wie sich im Ergebnis wohl zeigen wird.

KI auch im Heizungskeller?

Das ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern im Begriff, eine gewöhnliche Realität zu werden wie es „Smart Home“ bereits seit ein paar Jahren geworden ist. Smart Home ist heute schon ein Alltagsbegriff, der in die Haus- und Heizungstechnik längst Einzug gehalten hat. „Energiemanagement“ ein weiterer, der bezeichnet, wie intelligente Software die Koordination verschiedener Teilsysteme eines Gesamtsystems übernimmt und wohin sie die Energieströme innerhalb eines Gebäudes fließen lässt.
Nehmen wir das Beispiel Photovoltaik und Eigenstromnutzung. Vielleicht hast Du das mit einer Wärmepumpe kombiniert, einem Batteriespeicher, einem Pufferspeicher und außerdem fährst Du ein E-Auto, das Du über die im Carport angebrachte Wallbox aufladen kannst. Klingt sehr komplex, ist aber in Neubauten eine zunehmend häufiger anzutreffende Konstellation, in Bestandsgebäuden derzeit (noch) nicht so.
Ziel der Eigenstromnutzung ist ja, eine möglichst hohe Quote zu erreichen, da Strombezug aus dem Netz teuer ist und Dein PV-Strom, ins Netz einspeist, weniger erbringt als wenn Du ihn selbst nutzt. Heutige Energiemanagementsysteme sind in der Lage, den produzierten PV-Strom „klug“ auf die Systemteilnehmer zu verteilen oder ggf. auch nicht nutzbaren Strom zwischenzuspeichern, bevor der dann absolut nicht mehr unterzubringende Überschuss-Strom Deines Hauses ins Netz eingespeist wird.

Systeme werden noch passgenauer

KI kann das Energiemanagementsystem in Zukunft noch klüger machen, indem es bspw. das Verbrauchsverhalten der Bewohner zu bestimmten Zeitpunkten integriert, über die Zeit immer mehr darüber dazu lernt und selbst darüber Vorhersagen treffen kann, welches Gerät individuell wann in Anspruch genommen wird. Außerdem können bspw. Wetterdaten und damit Stromertragsprognosen von der PV-Anlage mit in die Verbrauchs-Kalkulation und -Verteilung aufgenommen werden. Das ganze Versorgungssystem wird darüber effizienter, weil noch passgenauer. Es wird auch komfortabler, weil das System bereits vorausschauend das Benutzerverhalten abbildet. Über Chatbot-KI-Kommunikation wird/kann man dem System einfach sagen: „Mir ist kalt“ – und die maschinelle Wärmeversorgung reagiert so, als hätte man diese Aussage gegenüber dem Ehepartner getroffen und dieser dreht dann in Reaktion das Thermostat im Wohnzimmer auf.

Im Heizungsmarkt schon längst eingezogen

Tatsächlich ist das Thema KI auch auf dem Heizungsmarkt unter den Heizungsherstellern schon längst eingezogen und angewandte Praxis. KI soll in Zukunft bspw. dabei helfen, aufgrund der eingespeisten Anlagendaten einen Heizungsausfall im Vorfeld konkret zu prognostizieren, wann er eintreten wird. Wir Installateure können dann viel mehr vorausschauend handeln. Murphys Gesetz besagt ja, dass Heizungsausfälle immer dann geschehen, wenn man Wärme am nötigsten braucht, im Winter, außerdem gerne dann ein solcher Ausfall ausgerechnet am Wochenende… KI wird dabei helfen, diese „Gesetzmäßigkeiten“ zu durchbrechen, weil sie es dazu nicht kommen lässt.
Uns Installateuren hilft KI gegenwärtig bereits direkt vor Ort, wenn es darum geht, defekte Bauteile per Smartphone-Kamera-Scan und zugeordneter App schnell zu identifizieren und diese im nächsten Schritt sofort bestellen zu können, über eine Schnittstelle zu einem Bestellprogramm. Auch diese Fotos helfen der KI zu immer genauerem Bestimmen bzw. Identifizieren. Im Alltag beschleunigen sie Reparaturprozesse.

Daten ja, aber Kirche im Dorf lassen

Damit KI lernen kann, braucht sie Daten. Das könnte man auch Fortbildung nennen. Doch Scherz beiseite: Künstliche Intelligenz ist schon längst in unseren Alltag eingezogen und sie wird es weiter tun. Sich dem zu verschließen wäre in etwa so, als würde man sein Leben ohne Computer oder Internet gestalten wollen. KI wird bzw. ist bereits schon ein fester Bestandteil unseres Lebens, allein dann schon, wenn man eine Hotline anruft und eine nette Empfangs-Dame antwortet, die ein Computerprogramm ist. Für Heizungsbesitzer und für die technische Gebäudeausstattung wird KI immens weitere Komfortentwicklungen bringen. Aber da ist natürlich auch die Sorge, dass Daten gesammelt werden müssen. Zu welchem Zweck sonst noch ggf.?
Doch heute muss man auch die Kirche im Dorf lassen. Über soziale Netzwerke wie Twitter, Instagram, Facebook und Co. werden so viele Daten und auch persönliche Bilder im Netz freiwillig geteilt, die weit über das hinaus gehen, wofür ein Unternehmen eine Einverständniserklärung braucht, so z. B. auch beim Sammeln von Heizungsdaten zur Weiterentwicklung von KI. Ohne diese Sorge bagatellisieren zu wollen. Es gilt eher, sie in einem Kontext einzuordnen ohne sie damit relativieren zu wollen.

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