Veröffentlicht am 21. November 2022 in Technik.

Der Heizungsvergleich

Vor- und Nachteile im Überblick

Woran liegt es, dass alte Heizöl- oder Erdgas-Methusalems nicht ausgewechselt werden? Am Mangel an Möglichkeiten jedenfalls nicht. Wir geben Dir hier einen Überblick auch mit dem Ziel, dass Du die Möglichkeiten besser für Dich und Deine Situation einordnen kannst.

1. Weiter Heizen mit Fossilen?

Du weißt es bestimmt schon: Heutiger Stand der Technik beim Heizöl oder Erdgas ist die Brennwerttechnik. Sie ist ausgereift und deshalb stellt sich weniger die Frage, wie zuverlässig sie ist, sondern die, ob man überhaupt noch auf fossile Energien setzen möchte/kann. Dazu musst Du wissen, dass den Erdgasfeuerungen bislang eine gewisse Zukunftsperspektive eingeräumt wurde. Sie wurden staatlich gefördert in Verbindung mit einem Heizsystem auf Basis erneuerbarer Energien, wenn Alt gegen Neu getauscht wurde. Meist war/ist das die Kombination von Gas mit einer Solarthermie-Anlage. Für Heizölfeuerungen bestand diese Möglichkeit, auf diesem Weg noch gefördert zu werden, schon seit geraumer Zeit nicht mehr.

Unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs und der Energiepreiskrise haben sich nun aber auch die Vorzeichen für Erdgas verschoben: Für Gas-Brennwertheizungen gibt es seit Mitte August diese Förderung nicht mehr. Und im Neubau war der Einbau von Gaskesseln bislang eine Selbstverständlichkeit. Nun sieht der Koalitionsvertrag der Ampel bereits vor, dass zum 1.1.2025 jede neu eingebaute Heizung auf Basis von 65 % erneuerbarer Energien betrieben werden muss. Die Ampel plant nun konkret, diese Bedingung um ein Jahr vorzuziehen. Das wird den Einbau von Erdgas und Heizöl erschweren, weil sie, wenn überhaupt, diese Vorgabe nur in Kombination mit einem anderen Heizsystem erreichen. Solarthermie wird da in der Regel nicht mehr ausreichen. Wenn Du also weiter auf einen Heizöl- oder Erdgaskessel setzen möchtest, sollten wir uns die Sache einmal genau ansehen.

Vor-und Nachteile

+ ausgereifte Technik

– Heizöl und Erdgas müssen sich sputen: Ab 1.1.2024 gilt die 65-Prozent-Regel

– Man muss natürlich mit weiteren Brennstoffpreis-Steigerungen rechnen

2. Heizen mit Holz

Beim Thema Heizen mit Holz kommen für Dich zwei Brennstoff-Formen in Betracht: Holzpellets und Scheitholz. Holzpellet-Feuerungen sind ausgereifte Technik, auch hier ist Brennwert mittlerweile ein Standard. Das Heizen mit einer Scheitholz-Zentralheizung ist für Dich interessant, wenn Du über günstige Bezugsquellen beim Brennstoff verfügen und bereit bist, etwas Arbeit an den Tag zu legen, weil Du Deine Anlage per Hand befüllen musst. Auch hier ist die System-Technik ausgereift. Pelletöfen gibt es in zwei verschiedenen technischen Ausführungen: luftgeführt und wassergeführt. Im Unterschied zu luftgeführten Öfen kannst Du einen wassergeführten Ofen auch in die zentrale Wärmeversorgung Deines Hauses einbinden, z. B in Verbindung mit einer Wärmepumpe.

Der Preis für Pellets schoss ab Juni dieses Jahres durch die Decke. Im September war das Heizen mit Pellets sogar teurer als das Heizen mit Heizöl. Das hat viele verunsichert, die bereits mit Holzpellets heizen und andere, die damit liebäugeln, sich eine solche Heizung anzuschaffen. Man muss es einfach klar sagen: Das alte Brennstoff-Preisargument ist derzeit futsch und es ist auch nicht abzusehen, wann und wenn in welchem Umfang es sich erholt. Das Heizen mit Holz hat aktuell außerdem einen politisch schweren Stand. Eine Folge: Die staatliche Förderung wurde gekürzt, außerdem sollen nach aktuellem Stand Pelletfeuerungen nur noch dann förderfähig sein, wenn Du sie mit einer Solarthermie-Anlage kombinierst. Heizen mit Holz ist derzeit politisch gesehen nicht en vogue. Rein sachlich gesehen ist das allerdings Blödsinn.

Vor- und Nachteile

Holzpellets

+ Sie sind eine sehr gute Ersatzlösung für Heizöl, weil sie eine ähnliche Infrastruktur benötigen

o Die Brennstoffkosten sind niedriger als die von Heizöl oder Erdgas, aber derzeit gerade sehr hoch

+ Kein Feinstaub-Problem

o Kombination mit Solarthermie: Technisch perfekt, aber höhere System-Anschaffungskosten, dafür spart man aber beim Brennstoff ein

Scheitholz

+ Ausgereifte Technik

+ Bei günstigen Brennstoff-Bezugsquellen in den Betriebskosten (bislang) unschlagbar

o Der Betrieb ist halbautomatisch, d. h. der Kessel muss händisch beschickt werden

o Vergewisserung, dass der gewählte Kessel den Emissions-Grenzwerten langfristig genügen wird

3. Sonne einfangen – die Solarthermie

Thermische Solarkollektoren sind im Neubau seit Jahren Standard, aber zunehmend auch in der Heizungssanierung. Es gibt sie als Flach- und als Röhrenkollektoren. Röhrenkollektoren sind teurer, aber effizienter. Am häufigsten werden Flachkollektoren verbaut. Die meisten Anlagen werden zur Unterstützung der Warmwasser-Erwärmung eingebaut, seltener auch zur Erzeugung von Raumwärme. Die Nadelöhre der Solarthermie sind folglich die Größe der Kollektorfläche und das Volumen des Speichers. Hier wird oft viel Potenzial verschenkt, weil hier nicht richtig dimensioniert wird.

Vorteile

+ Ausgereifte Technik

+ Lassen sich mit jedem anderen Heizungssystem kombinieren

+ Sind nicht nur Lieferanten von Wärme von der Sonne, sondern auch von Fördergeld

4. Die Wärmepumpe

Die Wärmepumpe bezieht Energie aus der Umwelt. Je nach Gewinnungs-Form aus dem Boden, der Luft oder Wasser. Sie benötigen alle Hilfsstrom, um die Energie zur Wärmeversorgung eines Gebäudes nutzbar zu machen. Luft/Wasser-Wärmepumpen sind mittlerweile das am häufigsten im Neubau verbaute System. Aber sie ziehen vermehrt auch in den Altbau ein. Du solltest hier aber Deine Situation genau prüfen lassen. Beim Wirkungsgrad darfst Du Dich nicht blenden lassen: Die Effizienzzahlen COP und SCOP sind nur bedingt aussagekräftig für die Praxis, wichtig ist die Jahresarbeitszahl (JAZ). Gerne klären wir Dich darüber auf. Außerdem werden wir Dir in unserem Blog demnächst dazu einen Beitrag bringen. Die Wärmepumpe ist bei der Politik derzeit der Favorit. Das zeigt sich z. B. auch an der in Aussicht gestellten Förderung im Vergleich zu anderen Heizsystemen.

Vor- und Nachteile

+ Ausgereifte Technik

+ Kann ggf. auch zu Kühlungszwecken im Sommer eingesetzt werden

– Möglich auch im Einsatz in Bestandsgebäuden, allerdings die Situation genau analysieren

Ein Fazit

Welches System am Ende am besten zu Dir und Deiner Situation passt, ist also aus verschiedenen Blickwinkeln und auch perspektivisch zu betrachten. Immerhin legst Du Dich mit Deiner Wahl dann auf viele Jahre fest. Technisch ausgereift sind die verschiedenen Systeme alle. Wir hoffen, dass wir Dir mit diesem Blog bei der Einordnung helfen konnten.

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