Veröffentlicht am 21. November 2022 in Branche & Mehr.

Lieferengpässe im SHK-Handwerk 

Warum das Material knapp wird

Unser SHK-Handwerk scheint aus dem Krisenmodus nicht heraus zu kommen. Material fehlt an allen Ecken und Enden. Aber warum? Wer ist Schuld, dass du so lange auf deine Renovierung oder deinen Neubau warten musst? Was fehlt besonders? Und was können Betriebe jetzt tun? Wir haben die aktuelle Situation hier einmal für Dich zusammengefasst.

Corona, Dürre, Ukraine-Krieg und Energiekrise

Seinen Ursprung hat die aktuelle Dauerkrise im Jahr 2020 als die Corona-Pandemie die Welt im Griff hatte. Fabriken rund um den Globus wurden stillgelegt und Containerschiffe, die zuvor Waren und Bauteile zuverlässig aus Asien in deutsche Werkshallen lieferten, blieben in ihren Häfen. 

Als wäre die Pandemie nicht schon dramatisch genug, kommt seit März 2022 aber noch der Krieg in der Ukraine hinzu. Lieferungen aus der Ukraine fallen aus und Russland setzt Energielieferungen als wirtschaftspolitisches Druckmittel ein. Erdgas ist zur teuersten Energiequelle geworden.

Ihr Übriges trug übrigens die laut Experten „schlimmste Dürre in China seit 60 Jahren“ dazu bei – das geht manchmal fast etwas unter. Durch den ausbleibenden Regen bis in den Herbst hinein, fielen Wasserkraftwerke aus, sodass Strom rationiert wurde und Fabriken in wichtigen Industriezentren ihre Produktion tagelang herunterfahren mussten.

Welche Auswirkungen hat diese Multikrisenlage?

Ist eine dieser Krisen alleine bereits schwer zu managen, addieren sie sich aktuell jedoch und das hat in einer so globalisierten Welt, wie sie in den vergangenen 15 bis 20 Jahren entstanden ist, spürbare Auswirkungen.

Zunächst waren die harten Corona-Lockdowns verantwortlich für zahlreiche verspätete oder ausgebliebene Lieferungen – vor allem aus dem asiatischen Raum. Dringend benötigte Bauteile wurden entweder nicht produziert oder konnten nicht per Schiff geliefert werden. Und auch hierzulande blieben viele Werkstore wochenlang geschlossen. 

Dieser Rattenschwanz von nicht produzierten Materialien zieht sich von 2020 bis in die Gegenwart, zumal die chinesische Regierung auch aktuell immer wieder Lockdowns verhängt, sobald es einen Corona-Ausbruch gibt. Obendrauf kommen die Stromausfälle und Fabrikschließungen aufgrund der Extremdürre. Lieferungen erfolgen also bei Weitem nicht mehr zuverlässig, so wie früher. War es vor einiger Zeit üblich, dass wir uns Produkte „just in time“ liefern ließen, also dann, wenn wir sie brauchten, ist heute derjenige auf der sicheren Seite, der ein möglichst großes Lager aufbaut.

Der Mangel betrifft in hohem Maß elektronische Komponenten. Kein Wunder: Immerhin kauften deutsche Betriebe laut Statistischem Bundesamt aus China im Jahr 2021 elektrische und optische Erzeugnisse für knapp 128 Milliarden Euro – einer der größten Posten bei unseren Importen! Aktuell mangelt es uns daher ganz besonders an Wärmepumpen, elektrischen Thermostaten und Funk-Regelverteilern für Fußbodenheizungen – also alles, was Hightech-Komponenten nach aktuellem Standard beinhaltet.

Nicht zuletzt hat Russlands Krieg in der Ukraine massive Preissteigerungen zur Folge. Nach dem Einmarsch, so berichten andere Unternehmen, haben sich etwa Aluminiumbleche Woche für Woche verteuert. Auch Platinen waren schwierig zu beschaffen. Bestellungen von Silikonkartuschen wurden zeitweise nur anteilig ausgeliefert!

Sowohl für Dich als auch für uns sind darüber hinaus die drastisch steigenden Energiepreise zu spüren. Wir merken das nicht nur an der eigenen Stromrechnung, sondern vor allem an der Nachfrage nach erneuerbaren Heizungen, die regelrecht explodiert ist. Viele von Euch wollen – verständlicherweise – weg von Erdgas und Öl und fragen uns nach Alternativen wie zum Beispiel nach Wärmepumpen. Apropos Wärmepumpen: Von denen versuchen wir aktuell möglichst viele zu lagern, damit wir Dich gut und vor allem schnell versorgen können.

Hohe Kosten + Lieferverzögerungen = Preisunsicherheiten

Die für Dich und uns spürbaren Folgen dieses Krisenkonglomerats: wochen- oder sogar monatelange Lieferzeiten. Bei Spezialwünschen kann es sein, dass Du sogar bis zu einem Jahr auf das Produkt Deiner Wahl warten musst. Aber auch, wenn Du wegen eines Heizungswechsels anklopfst, können wir Dir nicht immer den aktuell ausgeschriebenen Preis des Herstellers garantieren. Die Berechenbarkeit in Sachen Kosten oder Lieferzeitpunkt, wie wir sie von früher kennen, gibt es im Moment einfach nicht. Zwar fertigen wir gerne einen Kostenvoranschlag an, wie sehr sich allerdings die Preise des Hersteller bis zur Auslieferung verändern, darauf haben wir leider keinerlei Einfluss mehr. 

Was können Betriebe und die Branche tun?

Wir als SHK-Betrieb können mittlerweile nur reagieren, wollen aber gleichzeitig, dass Du nicht von rasanten Preissteigerungen überrascht wirst. Da haben zwei sehr wichtige Stellschrauben selbst in der Hand: Zum einen stellen wir in der aktuellen Situation keine rechtlich bindenden Angebote mehr aus. Als Alternative nutzen wir den Kostenvoranschlag. Dieser schätzt lediglich den Arbeits- und Kostenaufwand. Zum anderen sprechen wir mit Dir die Situation durch, sodass Du weißt, dass ein Auftrag teurer werden könnte. Daher findest Du auf dem Kostenvoranschlag auch einen Vermerk wie „Dieser Kostenvoranschlag ist unverbindlich“ oder einen Verweis auf die zum Bauzeitpunkt gültigen Marktpreise. Auch ein „ca.“ vor den Beträgen bei denen wir auf künftige Herstellerpreise angewiesen sind, zeigt Dir, dass wir hier leider noch nicht so exakt kalkulieren können, wie wir es gerne würden.

Übrigens hat der Präsident des Zentralverbandes des SHK-Handwerks, Michael Hilpert, von all’ unseren Branchenpartnern Solidarität eingefordert. Er rief vorgelagerte Lieferanten dazu auf, das Material bevorzugt ans SHK-Handwerk vor Ort zu liefern – also an uns als jene, die Dich bestmöglich versorgen wollen. 

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